ULLAS ALLERLEI



SUPPEN

SUPPEN © 1989 / 2010 M. Stoewer

REZEPTE:

SUPPEN

Im Jahr 1844 wanderte der Arzt Heinrich Hoffmann durch Frankfurt auf der Suche nach einem schönen Buch, das er seinen Kindern zu Weihnachten schenken könnte.
Er fand nur lange Erzählungen oder moralische Geschichten, die mit ausführlichen Vorreden begannen. So setzte er sich selbst an den Schreibtisch und schrieb und zeichnete den "Struwwelpeter" - inzwischen ein Klassiker der Kinderliteratur.

Hoffmann wollte unterhaltend belehren.
Ich weiß nicht, ob seine märchenhaften und übertriebenen Schilderungen kindlicher Unarten mit den meist tödlichen Folgen das Verhalten von Kindern verändert haben; ob ein Hans-guck-in-die-Luft nach der Lektüre immer auf den Weg geachtet hat, um nicht jämmerlich zu ertrinken; oder ob ein Kind, das gerne mit Feuer spielte, durch Paulinchens Tod erschreckt, nicht mehr zündelte.

Auch ist mir nicht bekannt, ob Kinder, durch das Schicksal des Suppenkaspars verängstigt, nun eifrig ihre Suppe löffelten.

Der Kaspar, der war kerngesund. Doch einmal fing er an zu schrein: Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess ich nicht!“ Am vierten Tag wog er noch ein halbes Lot – und war am fünften Tage tot.

Ich bin aber ganz sicher, daß ihr dieser drastischen Schilderungen nicht bedurftet. Ihr habt Suppen immer gern gegessen.

Da soll es aber auch Erwachsene geben, die nicht gerne Suppen essen. Vielleicht kennen sie nur Fertigsuppen oder dünne Wirtshaussuppen, auf denen fünf kleine braune Kügelchen - genannt: Backerbsen - schwimmen. Nun will ich nicht behaupten, daß ich mir exquisite neue Suppengerichte ausgedacht habe oder, daß ich bei meinen Suppen nicht auch kräftig auf Fertigprodukte, wie z. B. Suppenwürfel, zurückgreife. Aber ich kann mich nicht über mangelnde Suppeneßlust meiner Familie und meiner Gäste beklagen. Im Gegenteil. Bei dem großen Fest zu meinem 5O. Geburtstag wollte ich aus organisatorischen Gründen auf die Suppen verzichten; geharnischter Protest bis zu Boykottdrohungen - u. a. von Michael und Arno Koch - ließ uns Kochplatten, Teller und Löffel heranschaffen. Zu einem Ulla-Fest gehören einfach Suppen, darüber darf gar nicht mehr diskutiert werden. Und auch bei kleineren Essen gibt es Gäste - Frieder Weltz, Arno Koch, Arne -, die enttäuscht vom Tisch aufstünden, würde nicht das Essen mit einer Suppe eingeleitet.

Eigentlich ist es aber eine Unsitte, zu Beginn des Essens eine Suppe zu reichen. Zur Essenszeit haben sich viele Säfte im Magen angesammelt, die nur darauf warten, die verschiedenen Nährstoffe aus dem Essen zu verarbeiten. Durch eine Suppe aber werden sie verdünnt. Ein Salat am Anfang wäre das Richtige. So lernte ich es jedenfall bei Frau Dr. Cohen im Fach "Gesundheitslehre" während meiner Kindergärtnerinnen-Ausbildung. Aber man kann sich nicht immer nach ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen richten. Ich verfahre nach dem Grundsatz: Was mir schmeckt, tut mir auch gut. Allerdings gibt es bei meiner normalen Küche selten eine Suppe, es sei denn als Hauptessen.

Frau Dr. Cohen war eine kleine, zierliche ältere Dame mit Autorität und plastischer Erzählweise. Ihre Ausführungen sind mir noch heute in Erinnerung. So riet sie uns zum Beispiel, wir sollten, wenn wir einmal zu heißes Essen in den Mund genommen hätten, alle Höflichkeit und Vornehmheit vergessen und das Essen sofort wieder ausspucken, da wir sonst Gefahr liefen, uns die Speiseröhre zu zerstören. Sie erzählte von einem vornehmen älteren Herrn, der mit einem heißen Essen seine Speiseröhre verbrannte. Er konnte sich nur noch durch eine künstliche Magenfistel ernähren. Da für mich Essen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Lustgewinn bedeutet, war die Vorstellung, nicht mehr schmecken zu können so schrecklich, daß ich euch diese Geschichte immer wieder erzählt habe.

Bei zu heißen Suppen könnte man auch nach der "Valentin-Methode" aus dem "Hasenbraten" vorgehen:

Karl Valentin: Na, die Suppe ist heut wieder ungenießbar.
Liesl Karlstadt: Wieso? Des is sogar heut eine ganz feine Suppn.
Karl Valentin: Das sagt ja auch niemand, daß die Suppn nicht fein ist, ich mein nur, sie ist ungenießbar, weils so heiß ist.


Mit der wunderbaren Valentinschen Logik geht es eine Weile weiter, bis Valentin auch „was riechen“ hört. Über dem Streit ist nicht nur die Suppe kalt geworden, sondern auch der Hasenbraten angebrannt.

Uns gefiel dieser Sketch so gut, daß der Spruch "Die Suppe ist wieder ungenießbar" in unsere familiären Redewendungen aufgenommen und bei allen heißen Speisen angewendet wurde. Johannes Jauß, Papas Mitarbeiter, der jahrelang mit an unserem Mittagstisch saß, wandelte ihn um und pflegte oft am Ende des Essens zu sagen: "Das war wieder eine sehr feine Suppe".
Suppentipp © 1989 / 2008 M. Stoewer
Noch ein Rat:

Wenn bei einem Essen oder einer Einladung Suppe übrig bleibt und der Topf für den Kühlschrank zu groß ist, entferne alle Kochgeräte aus dem Topf.
Ich vergaß einmal nach einem Geburtstagsessen die Silberkelle in der Kartoffelsuppe.
Am nächsten Tag hatte die Suppe angefangen zu gären, und ich mußte sie schweren Herzens wegschütten.

REZEPT DES TAGES

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KARTOFFELPUFFER ODER REIBERDATSCHI
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Diese Woche:
NUSSKUCHEN 2
Nusskuchenvariente ohne Butter und Ei.
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Fast schon eine eigene Rezeptesammlung:

Familie, Frühstück und ein runder Tisch mit einem Durchmesser von 1,35 Metern.

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Für alle, die nach
all den süßen Weihnachtsplätzchen, richtig Lust auf etwas Deftiges haben.

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